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  • Profilbild fischersfritze@sea

    Moin,

    dieses Thema beschäftigt sich mich dem waidgerechten Töten/ Versorgen von Fischen. Hier ergeben sich für mich Fragen, von allgemeinem Interesse. Z.B. hinsichtlich der Methoden in Japan und den USA, beides Länder die viel mehr Angeln in ihrer kulturellen DNA haben als Deutschland. Vielleicht haben einige von euch Erfahrungen, Wissen oder Anregungen, die sie hier teilen möchten.

    Die waidgerechte Versorgung von Fischen durch Angler ist in Deutschland (föderal-) gesetzlich geregelt. Ich möchte hier zu einem Wissens- und Meinungsaustausch anregen ohne zu illegalen Handlungen oder Experimenten an Lebewesen aufzurufen! Dennoch sollte die Wichtigkeit dieses Themas eine Reflexion und ein Überprüfen der eigenen Standards zulassen um sich ggf. zu verbessern.

    Als Angler besitzen wir eine besondere Verantwortung vor den Fischen, deren Leben wir unter bestimmten Voraussetzungen schonend und schnell zu beenden müssen.

    Ich halte die gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland hierzu für soweit in Ordnung. Allerdings würde ich mittlerweile den Kiemenschnitt dem Herzstich immer bevorzugen, natürlich nur wenn dies erlaubt ist. Meine Erfahrung ist, dass er auch für Anfänger und Laien einfacher durchzuführen ist, sowie ein besseres Ausbluten des Fisches stattfindet, da das Herz weiterschlägt.

    Ich bin zuletzt im Netz auf die japanische Methode des Fischtötens „Ike Jime“ gestoßen, welche oft als besonders schonend beschrieben wird und angeblich einen besonderen Effekt auf die Fleischqualität hätte. Mein Eindruck ist allerdings, dass diese Methode eine gewisse Vorbereitungszeit benötigt, da mehr Utensilien bereitgelegt werden müssen. Zudem scheint es mir nicht Narrensicher mit einem Nagel oder Dorn das Gehirn des Fisches zielgenau zu treffen, besonders wenn der Fisch eine dicke „Schädelplatte“ hat. Danach erfolgt ein ausbluten des Fisches, was soweit klar und nachvollziehbar ist. Was es allerdings mit dem anschließenden Durchführen eines Drahtes durch das Rückenmark auf sich hat erschließt sich mir an dieser Stelle nicht so richtig. Hat jemand von euch ggf. Erfahrung oder Wissen hierzu was es mit dieser Methode auf sich hat?

    Der zweite Punkt bezieht sich auf die USA und andere angelsächsische Länder. Beim sehen von Angelvideos aus Übersee erhalte ich oft den Eindruck dass die Fische ohne ein Messer gesehen zu haben in die Kühltruhen auf Eis geworfen werden. Natürlich kann es sein, dass die Tötung herausgeschnitten ist. Allerdings kann ich meist keine Einstiche oder Schnitte am Fisch erkennen, zudem erhärtet sich der Verdacht beim anschließenden Filetieren: das Fleisch ist meist voller geronnenem Blut. War jemand von euch schon in den USA angeln oder weiß etwas genaueres darüber ob und wie dort die Fische versorgt werden?

    Es hält sich der Verdacht, dass Fische kein Schmerzempfinden haben, was meines Wissens nach nicht belegt ist. Wie sind die Ethiken ums Angeln in anderen Ländern?

    Danke und tight Lines!

    18.01.23 08:51 4
  • Profilbild ZanderGummi

    Da es hier um den Umgang mit einem Lebewesen geht, würde ich immer der "KISS" Methode folgen (Kepp it simple, stupid --> mach es einfach, Dummkopf)... Also möglichst einfach und schnell vorgehen...
    Das bedeutet für mich, den Fisch zügig vernünftig betäuben und dann mit einem Kiemenschnitt ausbluten lassen. Ich favorisiere den Kiemenschnitt gegenüber dem Herzstich deutlich, da hier deutlich weniger Anatomiekenntnisse nötig sind.
    Wenn es also eine Methode geben würde, die diesen Vorgang weiter vereinfachen würde, ohne die Qualität zu verschlechtern, würde ich das für sinnvoll erachten, aber ich halte das für nahezu ausgeschlossen...
    In die USA zu schauen halte ich überwiegend für schwierig... es liegt vermutlich an der Sozialisierung, aber der Umgang mit Fischen ist häufig doch mehr als fragwürdig...

    Und zum Thema Schmerzen, es hielt sich lange die Meinung (auch aus der Wissenschaft), dass Fische kein Schmerzempfinden haben, da ihr Gehirn die nötigen Bestandteile nicht habe. Man war der Auffassung, dass so etwas nur mit einer Hirnstruktur eines Menschen ginge (vereinfacht). Das ist mittlerweile weitestgehend widerlegt, da neuere Studien zeigen, dass Fische sehr wohl auf Reize und Belastung reagieren (man könnte es Schmerz und Stress nennen), die in hoher Konzentration sogar zum Tode führen können (eine der möglichen Todesursachen nach dem Zurücksetzen eines Fisches).

    Also, wenn ein Fisch entnommen werden soll, schnell und zielstrebig handeln, fertig!

    18.01.23 09:16 10
  • Profilbild fischersfritze@sea

    @ZanderGummi
    Danke für deinen tollen Beitrag. Ich bin völlig bei dir was deine Erklärung zur „KISS“ Methode angeht.

    Genauso deine Ansicht zu dem Umgang mit Fischen in den USA (wo teilweise Videos viral gehen in denen Grasskarpfen GoPros umgeschnallt werden etc.) stellt mich vor die Frage welche Einstellung in der Bevölkerung zu diesen Lebewesen besteht. Genauso in den Ländern in denen die Verwendung von Lebendködern praktiziert wird.

    Der Begriff „Mythos“ wäre vermutlich besser um das angebliche Nichtvorhandensein von Schmerzempfinungsvermögen bei Fischen zu beschreiben. Ich kann es mir auch schlichtweg nicht vorstellen. Gerne wird von Vertretern dieser Meinung die wenigen Rezeptoren sowie eine fehlende Hirnregion genannt, welche allerdings z.B. bei Vögeln ebenso nicht vorhanden ist- dort wird diese Funktion von anderen Hirnteilen übernommen. Letztlich führen diese Erkenntnisse zu spannenden Fragen z.B. hinsichtlich des immer beliebter werdenden C&R , Angelturnieren oder der Trophäenjagd. Was ich hier jetzt nicht im einzelnen bewerten möchte.

    Letztlich würde sich für mich die Frage nach der Ethik immer daran orientieren, dass ich beim Angeln mein Erlebnis/ Nahrungsgewinnung/ Glück über den „Wunsch“ des Fisches nach Unversehrtheit stelle. Eine überaus streitbare Geschichte, die in meinen Augen jeder für sich selbst, aber auch vernünftig und argumentativ, beantworten können muss um aufgeklärt und pflichtbewusst dem Ganzen nachgehen zu können.

    18.01.23 10:07 2
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  • Profilbild ZanderGummi

    Hier war neulich ein Thread (habe leider den Titel vergessen), der sich auch mit den persönlichen Ansichten bzgl. der Ethik auseinandergesetzt hat.
    Man merkte in der Diskussion deutlich, dass es auf 2 wesentliche Faktoren hinauslief, die zur jeweiligen Meinungsbildung führten:
    1. Die eigene Sozialisierung, also wie ist man aufgewachsen, welchen Umgang mit Lebewesen hat man gelernt usw
    2. Die Empathie gegenüber anderen Lebewesen, also wie sehr akzeptiere ich, dass das dem Fisch sehr wohl kein Vergnügen ist, wie sehr reflektiere ich, dass da auch persönliches Vergnügen mit drin hängt usw.

    Ist dann sehr spannend, was sich dann für Meinungen ergeben...

    18.01.23 10:26 4
  • Profilbild fischersfritze@sea

    Muss ich mal suchen, klingt sehr spannend. Sozialisation, Normen und Ansichten sind entscheidende Elemente. Aus (mehr als) der Summe Dieser bildet sich eine gesellschaftliche (Angel-)Kultur, die von Land zu Land sehr unterschiedlich sein kann. Darauf zielte auch meine ursprüngliche Frage nach Erfahrungen ab, da es mich interessiert, ob und wie andere Petrijünger das Angeln in fremden Gesellschaften erfahren haben.

    18.01.23 10:41 0
  • Profilbild ZanderGummi

    Mir reichen schon die "kulturellen" Unterschiede zwischen deutschen Anglern, deswegen würde ich auch nie Guidings buchen und gehe ungern mit Leuten ans Wasser, die ich nicht wirklich kenne. Ich behaupte nicht, dass ich alles optimal lösen und lerne immer wieder etwas dazu, aber es macht mich teilweise wahnsinnig, wenn ich anderen beim Handling von Fischen zugucken muss...
    Das ist auch der Grund, warum ich nicht explizit Angelurlaub im Ausland mache, ich müsste es immer aushalten/ mitansehen, wie Guids oder andere Angler mit den Fischen umgehen. Natürlich wissen viele was sie tun, manche aber eben nicht...
    Deswegen wenn dann nur Angeln im Urlaub, wenn ich ohne Guiding oder so ans Wasser komme und dann mal Abendessen besorgen kann...

    18.01.23 11:51 3
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  • Profilbild Der mit der Grundel tanzt

    Betäuben und Kiemenschnitt halte ich für die aktuell beste Lösung um einen Fisch zu töten.

    18.01.23 15:52 4
  • Profilbild Andreas Brucklacher

    in einogen US Filmchen habe ich Leute mit Fischgalgen hantieren sehen , wenn man das mit getöreten Fischen macht, no problem. Die machten das aber mit lebenden, no way 🤦‍♂️. Dann noch so Auswüchse bowfisching, wo dann die (meist Sinds Karpfen) an Land gezertt werden, dan steht man auf den Fusch um den Pfeil zu lösen, lässt den Fisch liegen oder releast ign weil man so ein fairer Spirtsmann ist.... Catch and decide find ich ok, dann aber schnelles waidgerechtes töten wenn man mitnehmen will, oder schnelles drillen und lösen und releasen, ohne lange Instastory zu createn. ein Bild, wenn man zu zweit ist eh kein Problem, ist ok.

    18.01.23 16:02 5
  • Profilbild Der mit der Grundel tanzt

    Bowfishing und auch beim Schnorcheln mit der Harpune finde ich okay insofern die Fische garantiert verwertet und so schnell als möglich getötet werden. Gerade da sucht man sich ja ein passendes Tier aus wie bei der Jagd auf Säugetiere und hat keinen Grund für einen Release

    18.01.23 16:10 3
  • Profilbild Isar_Fischer

    Bowfishing??? Was da wieder Fische abgehen, die dann ein Loch im Körper haben. Das finde ich nicht okay. Mit der Harpune lass ich mir noch eingehen, da verliert man nicht so viele Fische

    18.01.23 16:19 3
  • Profilbild ZanderGummi

    Da stimme ich Isar_Fischer zu, ich habe da auch mal Videos gesehen, weil ich das mal verstehen wollte, wo im "Drill" beim Bowfishing Fische wieder ausgeschlitzt sind. Außerdem werden mit Sicherheit viele Fische auch einfach stark verletzt, ohne dass der Pfeil stecken bleibt.

    18.01.23 16:51 2
  • Profilbild Der mit der Grundel tanzt

    Nun, auch bei der Jagd auf Säugetiere kommt es hin und wieder vor, dass schlechte Schüsse angetragen werden. Das ist natürlich nicht schön und auch nicht Sinn der Sache. Grundsätzlich sollte man beim Bowfishing auch eine Klappspitze benutzt werden wir bei Harpunen, sodass kein Ausschlitzen möglich ist.

    18.01.23 17:01 2
  • Profilbild ZanderGummi

    @Grundeltänzer, also legimiert die von dir gewählte Art des Fischfangs - in dem Fall Bowfishing - die Chance darauf, dass Fische nur angeschossen werden?
    Ist dann auch das Reißen mit sehr großen Drillingshaken ok, da kann man ja auch mit großen Widerhaken arbeiten?
    Den Vergleich zur Jagd finde ich nicht ganz passend. Man hat bei der Jagd definitiv besseres Tackle als beim Bowfishing und hier ist der platzierte Schuss die minimal invasivste Methode, so sauber bekommt man es beim Angeln nicht hin...

    (Keine Angst, ist nicht ganz ernst gemeint, möchte nur etwas provozieren und Leute zum Nachdenken anregen)

    18.01.23 18:01 3
  • Profilbild basti.98

    Ich glaub die Amis müsst ihr da außen vor lassen. Besonders, wenn man sich die Jagd von einigen da drüben anschaut, denkt man, dass die komplett zurückgeblieben sind. Da gibts einige Videos, wo die ihre Hunde losschicken, die dann ein Wildschwein einkreisen, bis dann der „Jäger“ kommt und mit nem Messer absticht. Hat zwar nix mit dem Töten von Fischen zu tun, aber an Amerika sollte man sich definitiv nicht orientieren.

    18.01.23 18:14 3
  • Profilbild DreamFish

    Ich finde die ganze Diskussion darüber schon wichtig. Aber letztendlich muss jeder selbst entscheiden was er dem Lebewesen antun möchte. C&R finde ich schon richtig da entnimmt man nur den Fisch den man auch gebrauchen kann, und Knüppelt nicht alles nieder nur weil er Mindestmaß hat. ( zum beispiel einen 45ger Zander der nur eine Person satt macht obwohl man für 2 oder 3 was braucht) Und wenn wir schon beim Thema fangen sind wehr drückt den den Wiederhaken an um den Fich schonend abzuhaken. Sich in anden Ländern umzusehen ist nich der richtige Weg, erstmal sollten wir bei uns anfangen. Andere Länder andere Sitten. Manche Vereine haben oder sind am überlegen ein Schonmaß einzurichten (zum Beispiel einen Hecht unter 60 und über 80 cm wieder schwimmen zu lassen) das Resultat ist auch eine Art C&R aber mit Genehmigung :-D . Wie gesagt erstmal bei uns selbst anfangen , jeder See ist ja mal mir einem Tropfen begonnenen. Falls sich jemand angegriffen fühlt tut es mir leid, aber ich habe eben diese Meinung .

    18.01.23 18:27 2
  • Profilbild basti.98

    C&R bedeutet, dass du ohne jegliche Verwertungsabsicht ans Wasser gehst und nen Fisch egal welcher Größe immer zurücksetzt. Und genau da beginnt die Frage, ob man das einem Lebewesen antun möchte, um sich selbst zu profilieren…

    Aber bei den Schonmaßen geb ich dir Recht, was will ich mit nem 50er Hecht? Die sind meiner Meinung nach deutlich zu weit unten.

    18.01.23 18:44 5
  • Profilbild Isar_Fischer

    Jaa, die Amis...
    Lassen den Fisch ersticken und beim filetieren schneiden sie die Hälfte weg weil das ja eine "Bloodline" ist. Alle ein bisschen zu viel Schwarzpulver geschnüffelt

    18.01.23 18:55 4
  • Profilbild Der mit der Grundel tanzt

    Es ist auch ein Problem Videos in denen Idioten gezeigt werden auf eine gesamte Nation zu beziehen. Ja in den USA gibt es ein Haufen Idioten aber eben auch ein ganzen Haufen mehr Menschen als bei uns. Stell dir vor, dass Hunde eine Sau stellen und die mit der kalten Waffe abgefangen wird gibt es auch bei uns. Ich vergleiche die Jagd gerne mal mit dem Angeln weil ich sehr viele Parallelen sehe. Das ist eben meine Sicht und ich sehe darin kein Problem Tieren auch anders als bei uns üblich nachzustellen solange es nicht geschieht um sich selbst etwas damit zu beweisen sondern (im Fall des Bowfishing) es zum Beispiel effizienter und gezielter zu machen. Ich habe auch nicht gefordert dies mit unserem Tierschutzgesetz in Einklang zu bringen aber ich betrachte es aus einer deutlich anderen Perspektive.

    18.01.23 19:42 2
  • Profilbild DreamFish

    Basti.98 da gebe ich dir recht mit dem C&R das was du geschrieben hast ist die Definition davon. Aber was macht man zum Beispiel wenn man sich einen schönen Zander angeln will aber ein Hecht beißt. Nimmt man jetzt den Hecht und fährt nach Hause oder lest man ihn schonend zurück ? Sein wir mal ehrlich keiner von uns geht mit angedrückten Wiederhaken ans Wasser, obwohl man vor so einer Situation nicht zum ersten mal steht. Das ist ja auch nicht schlimm aber das meinte ich damit das man bei sich selbst anfangen muss. Über die USA oder den Asiatischen Raum sich Gedanken zu machen nützt da nicht . Aber wir sind auch nicht wie zb die Amis mit 5 Jahren zum schießen verleitet worden oder wie in Japan mit ner Schüssel Glasaal in Sojasoße. Für mich haben Leute die so etwas machen wie hier beschrieben wurde einfach einen an der Mütze. Aufregen ja gut aber es nützt nichts weil wir andere Gesetze haben und aufgewachsen sind. Aber ich schweife ab um C&R komplett zu verbieten müßte man vor angel begin bei einer Behörde angeben was man fangen möchte aber auch dann bleiben Beifänge nicht aus . Und um die so schonend wie möglich wieder frei zu lassen kann ja jeder entscheiden was er für das beste hält. Aber wir sind leider eine Rasse die es geschafft hat einen Wolf auf Meerschweinchen Größe zu schrumpfen, so das das was rauskommt aussieht wie der Embryo von dem Tier. Wir Menschen tun der Natur den Lebewesen und sogar uns selbst unglaubliche Dinge an , sind aber jetzt am diskutieren ob ein Haken einen Fische weh tut oder nicht. LÄCHERLICH

    18.01.23 20:14 0
  • Profilbild Isar_Fischer

    @Grundel Ja stimmt, man sollte es nicht auf die ganze Nation beziehen, das war mein Fehler. Aber es ist nunmal so, das erwähnte Verhalten gegenüber den Fischen bei Youtubern mit einer extremen Reichweite in den USA FAST auf jeden Kanal sieht. Das sind in gewisser Weise ja die Vorbilder. Die Leute die das sehen und keine Ahnung haben, denken, dass es so richtig ist

    18.01.23 20:28 0
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